Fetischisten des Autoverkehrs, seien es Ingenieure oder Beamte des Ministeriums, begründen den unentwegten Ausbau des Straßennetzes gern mit dem Hinweis, dass es erst zwei bis vier Prozent der Landesfläche Österreichs ausmache. Doch man stelle sich einmal vor, mit dem Körper eines Menschen würde so verfahren. Die Hautoberfläche eines Erwachsenen beträgt rund 20.000 Quadratzentimeter, vier Prozentsind 800. Würden Bahnen von nur einem Millimeter Breite in seinen Körper geschnitten, so würde er durch ein Netz von 80 Metern Länge stranguliert.

Dieser „einschneidende“ Vergleich ist typisch für Hermann Knoflacher, Österreichs bekanntesten Autokritiker und Verkehrsplanungsexperten. Seine Analysen unseres täglichen Umwelt-Irrsinns sollen weh tun, sollen wortwörtlich unter die Haut gehen. Damit sie bei Bürgern und Entscheidungsträgern Empathie, mitfühlendes Denken für den ökologischen Kreislauf wecken. Was bei Knoflacher Umwelt heißt, geht allerdings weit über grüne Umweltpolitik hinaus. Ziel ist eine solidarische, menschen- und naturgerechte Ordnung, national, europaweit, global. „Plädoyer für das andere Leben“ versammelt die besten Knoflacher-Kolumnen, die in „Die ganze Woche“ erschienen sind.

Hermann Knoflacher geboren 1940 in Villach, langjähriger Ordinarius des Instituts für Verkehrsplanung der Technischen Universität Wien, ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Präsident des Club of Vienna, Mitglied des Club of Budapest, globaler Fußgehervertreter der Vereinten Nationen.